Konstruktive Kritik am Vorgesetzten: Wie Sie Ihrer Führungskraft professionelles Feedback geben

Person gibt durch Hochhalten eines traurigen Smileys Feedback.

Überfälliges Feedback, zu ambitionierte Zeitpläne oder ausbaufähige Wachstumschancen: Im Berufsleben gibt es immer wieder Anlässe, Kritik an der Führungskraft zu üben. Allerdings zögern die meisten Angestellten, mit ihren Vorgesetzten ein Kritikgespräch zu führen - immerhin ist es die Teamleitung oder Abteilungsleitung, die man nicht gegen sich aufbringen möchte. Gleichwohl kann sich konstruktive Kritik am Vorgesetzten lohnen - wenn man sie richtig angeht.

Was ist konstruktive Kritik?

Wenn man eine Definition für konstruktive Kritik finden soll, muss man auch die destruktive Kritik betrachten. Während sich destruktive Kritik dadurch auszeichnet, ein Problem zu thematisieren und mitunter sogar Schuldzuweisungen auszusprechen, ist für konstruktive Kritik Lösungsorientierung charakteristisch. Wer konstruktive Kritik am Vorgesetzten übt, benennt zwar ein problematisches Verhalten, ist jedoch gleichzeitig bestrebt, gemeinsam mit dem Kritisierten einen Lösungsansatz zu finden - das stärkt und sichert langfristig das Vertrauen innerhalb der Arbeitsbeziehung.

Welche Fragen sollte man sich vor dem Feedbackgespräch stellen?

Damit die konstruktive Kritik am Vorgesetzten gelingt, sollten Sie sich folgende Fragen stellen:

  • Um welche konkrete Situation geht es?
  • Warum ist/war diese Situation problematisch?
  • An wen richtet sich meine Kritik?
  • Was stört mich konkret?
  • Was wünsche ich mir stattdessen?
  • Wie lässt sich die Situation verbessern?
  • Kann ich meinen Vorgesetzten bei der Umsetzung unterstützen? Falls ja, wie?

Wie übe ich konstruktive Kritik am Vorgesetzten? 7 Tipps

1. Kommunikationskanal wählen

Wenn Sie etwas am Verhalten Ihrer Führungskraft stört, sollten Sie bedenken, dass Kritik am Vorgesetzten in Form von schriftlichen Beschwerden, zum Beispiel per E-Mail, dokumentiert ist. So können Sie sich später auf diese beziehen – jedoch kann sie unter Umständen auch gegen Sie verwendet werden. Darüber hinaus lassen sich Missverständnisse im persönlichen Gespräch unter vier Augen viel besser und vor allem sofort richtigstellen.

2. Das richtige Timing

Kritik am Vorgesetzten sollten Sie zeitnah geben. Psychologen und andere Jobexperten empfehlen ein Zeitfenster von etwa 48 Stunden. Wenn Sie mit Ihrem Feedback zu lange warten, sind Ereignisse und Details oft nicht mehr nachvollziehbar. Gleichwohl sollten Sie das Gespräch nicht unvorbereitet angehen, sondern zunächst eine Nacht über den Vorfall schlafen, beziehungsweise ihn in Ruhe reflektieren. Manchmal ist etwas gar nicht so negativ, wie es im ersten Moment scheint. Tipp: Wählen Sie für das Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten außerdem einen Zeitpunkt, an dem sein Schreibtisch nicht vor Arbeit überquillt - viele Menschen reagieren unter Stress ungehalten.

3. Die Perspektive wechseln

Bevor Sie ein Gespräch mit Ihrem Chef suchen, sollten Sie sich in die Lage Ihres Vorgesetzten versetzen. Versuchen Sie, sein Verhalten aus seiner Perspektive heraus zu betrachten und einzuordnen. Dabei kann es hilfreich sein, Kollegen ins Vertrauen zu ziehen und sie nach ihrer Einschätzung der Situation zu fragen. Die Bewertung durch eine andere Person bringt meist neue Erkenntnisse. So können Sie sich besser auf das Gespräch und einen möglichen Verlauf vorbereiten.

4. Die richtige Atmosphäre wählen

Initiieren Sie für die konstruktive Kritik am Vorgesetzten einen festen Termin für ein Gespräch unter vier Augen in einem separaten Büro. 30 Minuten sind dafür in der Regel ausreichend. Indem Sie eine diskrete Atmosphäre wählen, vermeiden Sie, dass andere Teammitglieder unfreiwillig Zeugen ihres Feedbackgesprächs werden.

5. Sachlich bleiben

Setzen Sie beim Kritikgespräch mit Ihrem Vorgesetzten unbedingt auf Sachlichkeit statt auf Emotionalität - das wirkt positiv, professionell und souverän. Pauschale Aussagen und Verallgemeinerungen im Stil von "jedes Mal" oder "Sie machen immer" sollten Sie hingegen vermeiden. Sprechen Sie ruhig und besonnen, nennen Sie Fakten und Argumente. Tipp: Stellen Sie außerdem Fragen an Ihren Vorgesetzten, zum Beispiel, wie er den Sachverhalt sieht.

Übrigens: Nicht nur der Inhalt des Gesprächs, sondern auch nonverbale Faktoren können die Kommunikation mit der Führungskraft positiv beeinflussen - zum Beispiel, indem Sie Ihre positive Intention durch Augenkontakt und zustimmendes Kopfnicken zum Ausdruck bringen.

6. Das Wohl des Unternehmens herausstellen

Im Gespräch mit Teamleitern, Abteilungsleitern oder Geschäftsführern kann es zielführend sein, bei der Äußerung von Kritik herauszustellen, dass es Ihnen um das Wohl des Unternehmens geht. Bringen Sie deshalb zum Ausdruck, dass Ihnen viel an einer guten Arbeitsatmosphäre liegt und dass Sie Ihre Führungskraft in ihrer Funktion schätzen und respektieren - selbst, wenn Sie auf der Sachebene anderer Meinung sind.

Beziehen Sie sich bei der Formulierung von Kritik auf konkrete Situationen und Beispiele, anhand derer nicht nur der Fehler, sondern auch die Lösung deutlich wird. Sagen Sie zum Beispiel:

“Ich habe Problem X gehabt. Wenn wir Y ändern könnten, würde das meine Leistung/die Leistung des Teams steigern.”

"Ich glaube, ich könnte viel effizienter arbeiten, wenn X, Y und Z passieren würden."

7. Feedback annehmen

Richtiger Umgang mit Kritik ist keine Einbahnstraße! Daher sollten Sie Ihr Gegenüber auch um seine Meinung bitten, nachdem Sie Ihr Feedback platziert haben. Sie könnten zum Beispiel fragen, wie er die Situation einschätzt oder welchen Beitrag Sie leisten könnten, um die Situation zu verbessern.

Was tun, wenn die konstruktive Kritik am Vorgesetzten ohne Erfolg bleibt?

Selbst wenn Sie Ihr Kritikgespräch mit Ihrer Führungskraft akribisch vorbereitet und alle Tipps beherzigt haben, kann es passieren, dass Ihr Vorgesetzter die Kritik von sich weist oder sogar verärgert ist. Stehen Sie zu Ihrer Einschätzung. Allerdings bietet es sich an, das Feedback neu zu formulieren und die Kritik zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal zu platzieren.

Analysieren Sie die Reaktion Ihres Gesprächspartners. Gibt es Themen, bei denen Ihr Gegenüber besonders sensibel ist? - zum Beispiel, weil es sich dabei um Lieblingsprojekte oder -kunden handelt? Tipp: Bringen Sie eigene Ideen ein, um die Arbeitsatmosphäre zu verbessern und erkennen Sie auch Positives in Ihrem Feedback an.

Falls die mangelnde Kritikfähigkeit Ihrer Führungskraft die Stimmung im Büro trübt oder Ihre Karrierechancen ausbremsen droht, sollten Sie sich mittelfristig nach einer neuen Position umschauen.

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Fazit: Konstruktive Kritik am Vorgesetzten kann sich lohnen

Die meisten Angestellten tun sich schwer damit, gleichgestellte Kollegen zu kritisieren. Einem Vorgesetzten Feedback zu geben, erfordert noch einmal erheblich mehr Überwindung, da die Thematisierung von problematischen Situationen und Verhaltensweisen das Klima im Job und die persönlichen Karrierechancen negativ beeinflussen kann. Gleichwohl kann es sich lohnen, die eigene Meinung im konstruktiven Gespräch zu äußern - nur dann besteht die Möglichkeit, dass sich etwas positiv verändert.

Bilder: Adobe Stock

FAQ - Fragen zur Kritik am Vorgesetzten

Wie kann ich konstruktive Kritik am Vorgesetzten äußern?

Feedbackgespräche mit der Führungskraft sollten zeitnah, unter vier Augen und sachlich erfolgen. Es kann hilfreich sein, zur Vorbereitung auf das Gespräch die Situation zu reflektieren, gegebenenfalls Kollegen ins Vertrauen zu ziehen und sie um ihre Einschätzung zu bitten.

Wie definiert man konstruktive Kritik?

Konstruktive Kritik zeichnet sich durch Lösungsorientierung aus. Die destruktive Kritik hingegen konzentriert sich ausschließlich auf ein Problem und Schuldzuweisungen.