Shared Leadership - Warum setzen immer mehr Unternehmen auf geteilte Führung?

Zwei Business Personen geben sich im Teamwork ein High Five

Größere Teams, interdisziplinäre Projekte, komplexere Aufgaben, aber auch der Wunsch vieler Mitarbeiter, mehr Verantwortung zu übernehmen - all diese Entwicklungen haben in den letzten Jahrzehnten Shared Leadership zu Popularität verholfen. Immer mehr Unternehmen setzen auf diesen Führungsansatz, um Entscheidungskompetenzen und Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen. Was steckt hinter diesem Konzept, welche Chancen und Herausforderungen birgt die Umsetzung in der Praxis?

Definition: Was ist Shared Leadership?

Unter Shared Leadership, englisch für "geteilte Führung", versteht man ein Führungskonzept, bei dem sich mehrere Mitarbeiter die Führungsrolle teilen - im Gegensatz zur klassischen Hierarchie, in der es für einen Bereich nur eine Führungskraft gibt. Die Ausgestaltung von geteilter Führung kann ganz unterschiedlich sein. So können sich zwei Teammitglieder eine Führungsposition teilen (Top Sharing) oder alle Teammitglieder nach Absprache und Bedarf Führungsaufgaben übernehmen (Collective Leadership). Beim Empowering Leadership teilt eine Führungskraft die Führungsrolle, das Wissen und die Kontrolle mit ihrem Team. Eine weitere Führungskraft nimmt die Rolle eines Coaches ein und teilt die Verantwortung.

Übrigens: Shared Leadership gilt zwar als modern, stellt jedoch nicht zwingend einen Widerspruch zu den anderen etablierten Führungsstilen dar. Bei bestimmten Projekten und Aufgaben kann das Konzept der geteilten Führung ergänzend oder situationsabhängig praktiziert werden und die Zusammenarbeit erleichtern.

Was zeichnet Shared Leadership aus?

  1. Gemeinsame Entscheidungsfindung im Team
  2. Verteilung von Verantwortung
  3. Flache Hierarchien
  4. Fokus auf kollektive Intelligenz
  5. Transparente Prozesse

1. Gemeinsame Entscheidungsfindung im Team

Ein wichtiges Merkmal von Shared Leadership ist das gemeinsame Treffen von Entscheidungen im Team. Während bei anderen Führungsmodellen Entscheidungen von der Führungskraft getroffen werden, ist bei der geteilten Führung die Expertise der jeweiligen Fachkräfte entscheidend. Vielfach kommen Methoden wie Abstimmungen zum Einsatz.

2. Verteilung von Verantwortung

In Shared-Leadership-Konstellationen verteilen die Teams die Verantwortung je nach Kompetenz und Kapazität der beteiligten Mitarbeiter. In der Regel erfolgt diese Zuordnung unter Berücksichtigung des Fachwissens, aber auch der individuellen Entwicklungsziele. Ebenfalls wichtig: Die Zuordnung kann zeitlich begrenzt sein und kann bei Bedarf erneut erfolgen.

3. Flache Hierarchien

Von zentraler Bedeutung für gut funktionierende Shared Leadership-Modelle sind flache Hierarchien. Experten zufolge fördern diese eine offene Kommunikation, ermöglichen den direkten Austausch im Team auf dem "kurzen Dienstweg" und reduzieren Statusdenken. Zudem stärken sie Eigenverantwortung und Motivation.

4. Fokus auf kollektive Intelligenz

Mit Schwarmintelligenz zu mehr Effizienz und Qualität: Indem alle Teammitglieder ihre Perspektiven bei der Entscheidungsfindung einbringen, stellen Shared-Führungskonzepte sicher, dass möglichst viele Aspekte berücksichtigt werden.

5. Transparente Prozesse

Ein wichtiges Merkmal von Shared Leadership sind klare Regeln und transparente Prozesse. Somit ist genau festgelegt, wie die Teams Entscheidungen treffen und Verantwortung verteilen. Diese Rahmenbedingungen sind für alle zugänglich und können bei Bedarf gemeinsam weiterentwickelt werden, um Flexibilität zu gewährleisten.

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Welche Vorteile haben Shared Leadership-Modelle?

  1. Verbesserte Unternehmenskultur
  2. Gesteigerte Innovationskraft und Anpassungsfähigkeit
  3. Entlastung von Führungskräften
  4. Stärkung der Arbeitgebermarke

1. Verbesserte Unternehmenskultur

Geteilte Führungsrollen können sich positiv auf die Arbeitsatmosphäre im Team und damit auf die gesamte Unternehmenskultur auswirken. Das Einbringen eigener Ideen und die aktive Mitgestaltung des Arbeitsalltags zahlt auf die Zufriedenheit ein, da die Teammitglieder sich wertgeschätzt fühlen. Weiterhin kann das Konzept der geteilten Führung die Fluktuation im Unternehmen verringern, da die Übernahme von Führungsaufgaben neue Entwicklungsperspektiven eröffnet. Bei klassischen Führungsstilen ist vielfach ein Arbeitgeberwechsel erforderlich.

2. Gesteigerte Innovationskraft und Anpassungsfähigkeit

Teams mit geteilter Führung gelten unter Experten als innovativer und anpassungsfähiger. Da viele verschiedene Mitarbeiter gemeinsam Entscheidungen treffen, sind die Lösungsansätze oftmals kreativer. Zudem verkürzen sich Reaktionszeiten, da die Teammitglieder in der Regel näher am operativen Geschäft sind.

3. Entlastung von Führungskräften

Stress und Überlastung sind eine weit verbreitete Begleiterscheinung der modernen Arbeitswelt. Vor allem Führungskräfte sind oft davon betroffen. Hinzu kommt der Wunsch, sowohl weiblicher als auch männlicher Führungskräfte, Beruf und Familie besser in Einklang zu bringen. Mithilfe von Shared Leadership lassen sich die täglichen Herausforderungen auf mehrere Schultern verteilen. Auch Teilzeit-Modelle sind möglich.

4. Stärkung der Arbeitgebermarke

Unternehmen mit geteilter Führung präsentieren sich gegenüber potenziellen Fachkräften als besonders modern und wertschätzend. Das stärkt die Arbeitgebermarke und macht das Unternehmen vor allem für jüngere Bewerber interessant.

Welche Herausforderungen birgt geteilte Führungsverantwortung?

Aller Vorteile zum Trotz, sehen sich viele Unternehmen bei der Implementierung von geteilter Führungsverantwortung mit verschiedenen Herausforderungen konfrontiert:

1. Ablehnung der Führungskräfte

Bisweilen stehen Führungskräfte dem Modell kritisch gegenüber, da sie ihre Position gefährdet sehen. Eine transparente Kommunikation, Workshops oder Coachings können Bedenken zerstreuen.

2. Längere Entscheidungswege

Wenn mehrere Mitarbeiter Verantwortung tragen, können sich Entscheidungswege verlängern - das kann die Handlungsfähigkeit des Teams einschränken. Umso wichtiger ist es daher, dass die Teams genau festlegen, welche Entscheidungen gemeinsam getroffen werden und welche delegiert werden.

3. Verschwimmende Verantwortlichkeiten

Unklarheiten bei der Verantwortung können bisweilen zu Doppelarbeit im Team führen. Zudem können Aufgaben untergehen. Daher sollten Mitarbeiter mit geteilter Führungsverantwortung ihre Zuständigkeiten dokumentieren, regelmäßig überprüfen und bei Bedarf aktualisieren.

Geteilte Führung: Beispiele aus der Praxis

In der Praxis kann geteilte Führungsverantwortung ganz unterschiedlich umgesetzt werden. So sind inzwischen zum Beispiel Konstellationen populär, in denen sich zwei Führungskräfte die Verantwortung für eine Abteilung oder ein Team als Doppelspitze teilen. Mitunter übernehmen sie ihre Rollen in Teilzeit, um zum Beispiel mehr Zeit für die Kindererziehung zu haben.

In anderen Unternehmen übernimmt ein größeres Team gemeinschaftlich die Verantwortung für ein Projekt. Sie dokumentieren die Anforderungen des Kunden und teilen die Zuständigkeiten und Führungsarbeit unter sich auf. Die Führungsrolle kann je nach anstehender Aufgabe wechseln.

Fazit: Shared Leadership - Führungsmodell für die moderne Arbeitswelt

Angesichts von digitaler Transformation, New Work und moderner Arbeitstechniken wie Lean Management, hinterfragen viele Unternehmen traditionelle Führungsmodelle und setzen vermehrt auf geteilte Verantwortung. Das Shared-Konzept kann dabei helfen, kreativer, flexibler und effizienter zu agieren. Die Implementierung solcher Modelle erfordert jedoch ein Höchstmaß an Transparenz und Fingerspitzengefühl, um langjährige Führungskräfte optimal abzuholen.

Bilder: Adobe Stock

FAQ - Fragen zu Shared Leadership

Warum sind flache Hierarchien wichtig für geteilte Führung?

Arbeitsmarktexperten zufolge sind flache Hierarchien von großer Bedeutung für das Funktionieren von Shared Leadership-Modellen. Sie ermöglichen einen offenen Austausch im Team ohne lange Dienstwege über verschiedene Hierarchiestufen hinweg.

Was ist Shared Leadership?

Shared Leadership bedeutet "geteilte Führung" - zwei oder mehrere Führungskräfte teilen sich die Verantwortung für ein Projekt, ein Team oder eine Abteilung. Das unterscheidet das Konzept von klassischen Führungsmodellen, bei denen nur eine Führungskraft die Verantwortung trägt.